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Als am 1. Juli 2020 die Renten erhöht wurden, war in vielen Medien die Rede von einer guten Nachricht – und das auch noch mitten in der Corona-Krise. Doch für viele ältere Menschen, die der Verein LichtBlick betreut, spitzte sich die Situation dann zu. Eine Geschichte über die Kehrseite.

Rentenerhöhung? Für Rosemarie G. (siehe Seite 13) war das eine denkbar schlechte Nachricht. Denn als die Renten zum 1. Juli 2020 stiegen – in Westdeutschland um 3,45 Prozent, in den neuen Bundesländern um 4,20 Prozent –, bekam die 83-Jährige in der Tat ein paar Euro mehr. Nur: Es sind jetzt rund 40 Euro zu viel, um auch weiterhin Leistungen aus der Grundsicherung im Alter beantragen zu dürfen. Und das ist ein echtes Problem.

„Wenn jemand aus der Grundsicherung herausfällt, bekommt er viele Vergünstigungen nicht mehr“, er- klärt Lydia Staltner, Vorsitzende des Vereins LichtBlick Seniorenhilfe. Gemeint sind damit zum Beispiel Berechtigungsscheine für die Tafel. Oder Vergünstigungen bei Tickets des öffentlichen Nahverkehrs. Und: Auch die GEZ-Gebühren, also der Rundfunkbeitrag, fallen wieder an. „Für unsere Senioren sind solche Rentenerhöhungen mehr eine Augenwischerei als eine echte Hilfe“, mahnt Staltner. Wohlwissend, dass sich die Situation von Rent- nern bundesweit immer mehr zuspitzt.

Das Armutsrisiko von älteren Menschen in Deutschland wächst schon lange viel stärker als in allen anderen Bevölkerungsgruppen. Wie das Statistische Bundesamt erst Ende September 2020 mitteilte, hat die Zahl be- sagter Senioren allein in den vergangenen 15 Jahren dreieinhalb Mal stärker zugenommen als die Zahl aller Betroffenen: um rund 4,7 Prozentpunkte auf nunmehr 15,7 Prozent. „In keiner anderen Altersgruppe war der Anstieg seit dem Jahr 2005 so groß“, erklärte das Bun- desamt. Und der Sozialverband VdK nannte Altersarmut angesichts der jüngsten Zahlen ein „Massenphänomen“.

Der Verein LichtBlick hat nur mit Menschen zu tun, deren Rente nicht zum Überleben reicht. Dabei haben die meisten ihr Leben lang gearbeitet. „Ich habe ja im- mer rechnen und überlegen müssen“, sagt auch Rosema- rie G. – die drei Kinder großzog und nebenher putzen ging, weil ihr Mann „kein Großverdiener“ war.

Nun also bekommt sie auch die Grundsicherung im Alter gestrichen – wegen einer Rentenerhöhung. „Es ist absurd, dass Menschen wie Rosemarie G. hier einfach durchs Raster fallen“, sagt Staltner. Und sie weiß: Es sind beileibe keine Einzelfälle. Der Verein LichtBlick wächst Jahr um Jahr. Und die Pandemie hat die Situation nur noch mehr verschärft.

Autorin: Barbara Nazarewska – Quelle: LichtBlick-Magazin 2/20

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