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Lydia Staltner, Gründerin von Lichtblick Seniorenhilfe, fordert nach den Vorschlägen der Rentenkommission Sofortmaßnahmen gegen Altersarmut
München, 23. Juni 2026: Die Rentenkommission hat Vorschläge für die Zukunft der Rente vorgelegt. Doch aus Sicht von Lydia Staltner, Gründerin von Lichtblick Seniorenhilfe, bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Was passiert mit den Menschen, deren Rente schon heute nicht zum Leben reicht?
Lydia Staltner fordert deshalb konkrete Sofortmaßnahmen gegen Altersarmut. Im Zentrum stehen drei Punkte:
„1.500 Euro netto nach 40 Jahren Lebensleistung sind kein Luxus. Das ist ein Mindestmaß an Respekt“, sagt Staltner. „Und wer eine kleine Rente hat, muss endlich spürbar entlastet werden. Es kann nicht sein, dass Menschen ihr Leben lang gearbeitet haben und im Alter jeden Euro zweimal umdrehen müssen.“ Diese Maßnahmen würden die Lebensrealität der Betroffenen direkt verbessern – nicht erst in 20 oder 30 Jahren, sondern im Hier und Jetzt.
„Die Rentenkommission diskutiert über Kennzahlen, Eintrittsalter und Kapitalmärkte. Aber die aktuelle Altersarmut kommt viel zu kurz. Wer heute nicht weiß, wie er Lebensmittel, Strom oder Miete bezahlen soll, kann nicht auf Modellrechnungen für die nächsten Jahrzehnte warten“, sagt Staltner. Lichtblick Seniorenhilfe unterstützt bundesweit armutsbetroffene Seniorinnen und Senioren und erlebt täglich, was Altersarmut konkret bedeutet: Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, geraten im Alter in existenzielle Not. Für Staltner ist deshalb klar: Eine Rentenreform, die Altersarmut nur verwaltet, aber nicht bekämpft, greift zu kurz.
Die Kommission setzt vor allem auf langfristige Stabilisierung: längeres Arbeiten, neue Kennzahlen, bessere Daten, kapitalgedeckte Elemente und strukturelle Reformen. All das mag Teil einer Zukunftsdebatte sein. Doch die soziale Gegenwart wird damit nicht ausreichend beantwortet. „Wir brauchen nicht nur ein Rentensystem, das irgendwann tragfähig ist. Wir brauchen ein Rentensystem, das Menschen heute vor Armut schützt“, sagt Staltner. Aus Sicht von Lichtblick Seniorenhilfe wird Altersarmut damit erneut als Randthema behandelt – obwohl sie für viele Rentnerinnen und Rentner längst Alltag ist. Wer mit einer kleinen Rente lebt, spürt keine Entlastung durch neue Berichtssysteme. Wer Grundsicherung aus Scham nicht beantragt, braucht mehr als digitale Zugänge. Und wer nach einem langen Arbeitsleben nicht über die Runden kommt, braucht keine abstrakte Systemdebatte, sondern eine spürbare Verbesserung im Portemonnaie.
Ein zentraler Akzent der Kommission liegt auf längerer Erwerbstätigkeit und einer stärkeren Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Doch gerade für Menschen mit niedrigen Einkommen, unterbrochenen Erwerbsbiografien oder körperlich belastenden Berufen ist das keine Lösung. „Die Kassiererin, die Pflegekraft oder der Bauarbeiter brauchen keine Vorlesung über Demografie. Sie brauchen eine Rente, von der sie leben können“, sagt Staltner.
Aus Sicht von Lichtblick verschiebt eine Debatte über längeres Arbeiten die Verantwortung zu stark auf diejenigen, die schon heute besonders belastet sind.
Positiv ist, dass die Kommission verdeckte Armut stärker in den Blick nimmt und den Zugang zu Sozialleistungen vereinfachen will. Doch das reicht nicht. „Es ist richtig, Bürokratie abzubauen. Aber das darf nicht der Anspruch einer großen Rentenreform sein“, sagt Staltner. „Wer 40 Jahre gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, sollte nicht leichter zum Amt geschickt werden. Er oder sie sollte gar nicht erst zum Amt müssen.“ Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie machen wir Grundsicherung zugänglicher? Die entscheidende Frage lautet: Wie verhindern wir, dass Menschen nach einem langen Leben in Arbeit überhaupt auf Grundsicherung angewiesen sind? Für Lichtblick Seniorenhilfe liegt hier der Kern der Debatte: Altersarmut darf nicht besser organisiert werden – sie muss wirksam, unmittelbar und konsequent bekämpft werden.
„In vielen Debatten kommt beim Thema Geld immer sofort der große Aufschrei: Wer soll das bezahlen? Aber bei Altersarmut geht es nicht um Wohltaten. Es geht um Würde, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betont Staltner. Lichtblick schlägt deshalb vor, den Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent gezielt und zweckgebunden in den Kampf gegen Altersarmut zu lenken – oder ihn zu einer Generationenausgleichsabgabe weiterzuentwickeln. „Wenn wir Altersarmut ernsthaft bekämpfen wollen, müssen wir sie auch ernsthaft finanzieren“, sagt Staltner. „Ein zweckgebundener Soli gegen Altersarmut wäre ein klares Signal: Starke Schultern übernehmen Verantwortung für diejenigen, die unser Land mit aufgebaut haben.“
Auch kapitalgedeckte Elemente können aus Sicht von Lichtblick langfristig eine Rolle spielen. Doch sie lösen das akute Problem nicht. „Wer heute zwischen Heizung und Lebensmitteln entscheiden muss, kann nicht auf Renditen in 30 Jahren warten“, sagt Staltner. „Kapitalmärkte können vielleicht ein Baustein für künftige Generationen sein. Aber sie sind keine Antwort für die Rentnerinnen und Rentner, die heute in Armut leben.“ Eine Rentenreform, die vor allem auf langfristige Modelle setzt, läuft Gefahr, die akute Not zu übersehen. Für Lichtblick muss deshalb klar sein: Zukunftsvorsorge ist wichtig – aber sie darf nicht gegen heutige Armutsbekämpfung ausgespielt werden.
Ein weiterer blinder Fleck bleibt die strukturelle Benachteiligung von Frauen. Niedrigere Löhne, Teilzeit, Minijobs, unterbrochene Erwerbsbiografien durch Kindererziehung oder Pflege führen im Alter zu geringeren Renten. „Altersarmut beginnt nicht erst mit dem Rentenbescheid. Sie beginnt oft schon mit der Gehaltsabrechnung“, sagt Staltner. „Wer Frauen über Jahrzehnte schlechter bezahlt, produziert die Altersarmut von morgen.“ Deshalb gehört für Lichtblick auch gleicher Lohn für gleiche Arbeit in die Rentendebatte. Wer sichere Renten will, muss Erwerbsbiografien fairer machen – insbesondere für Frauen.
Für Lydia Staltner steht nach Vorlage der Kommissionsvorschläge fest: Die Rentendebatte muss zur sozialen Debatte werden. „Deutschland hat kein Erkenntnisproblem. Deutschland hat ein Umsetzungsproblem“, sagt Staltner. „Wir wissen längst, dass Altersarmut wächst. Wir wissen, dass viele Menschen nach einem langen Arbeitsleben nicht genug zum Leben haben. Und wir wissen, dass kleine Renten entlastet werden müssen. Jetzt braucht es den politischen Willen, das auch zu tun.“
Über Lichtblick Seniorenhilfe e.V.
Lydia Staltner hat 2003 den gemeinnützigen Verein Lichtblick Seniorenhilfe e.V. in München gegründet – seither wurden mehr als 150.000 bedürftige Rentner in ganz Deutschland finanziell unterstützt. Aktuell greift der Verein von vier Büros in München, Deggendorf, Münster und Berlin aus mehr als 31.000 bedürftigen Senioren unter die Arme. Begleitet werden Senioren über 60, die mindestens 20 Jahre deutsche Rentenpunkte gesammelt haben und Grundsicherung im Alter oder Wohngeld bekommen oder deren Rente knapp über der Bemessungsgrenze für Sozialleistungen liegt. Lichtblick hilft den bedürftigen Rentnern schnell und unbürokratisch ein Leben lang – mit Lebensmittelgutscheinen, finanziellen Soforthilfen (für z.B. eine neue Brille, eine neue Waschmaschine oder Medikamente) und Patenschaften von monatlich 35 Euro für die
Erfüllung kleiner Alltagswünsche. Lichtblick wurde bereits mehrfach ausgezeichnet: 2015 erhielt Lydia Staltner für ihre Verdienste die Sozialmedaille des Freistaats Bayern, 2023 sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande. Prominente wie Prinzessin Sophie von Bayern, Eckart Witzigmann oder Simone Thomalla unterstützen Lichtblick als Botschafter.
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Pressekontakt:
Ines Weinzierl: ines.weinzierl@seniorenhilfe-lichtblick.de, Tel. 089/67 97 10 120
Christina Meyer: christina.meyer@seniorenhilfe-lichtblick.de, Tel. 089/67 97 10 114
Jan Düring: j.duering@house-of-communication.com Tel. 089/ 20 50 4196
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