Unsere Forderungen zur Rentenreform

Vier konkrete Maßnahmen gegen Altersarmut von Lichtblick Seniorenhilfe, bei denen Andreas Irion, Präsident des Bundesverbands der Rentenberater e.V., beratend zur Seite stand.

Unsere konkreten Forderungen

Rentenerhöhungen sollen künftig direkt an die Inflation angepasst werden, damit das Rentensystem langfristig finanzierbar bleibt.

Das Problem: Aktuell orientieren sich Rentenerhöhungen an der Lohnentwicklung.

Beispiel: Im Jahr 2025 lag die Inflation bei 2,2%, während die Renten um 3,74 % erhöht wurden. [ Rentenerhöhung: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rentenanpassung-2025-2337000 Stand 21.04.2026; Inflation: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1046/umfrage/inflationsrate-veraenderung-des-verbraucherpreisindexes-zum-vorjahr/#:~:text=Im%20Jahr%202025%20sind%20die%20Verbraucherpreise%20in,dem%20gleichen%20Niveau%20wie%20im%20letzten%20Jahr.] Die Kopplung an die Löhne führt langfristig zu steigenden Ausgaben, die von immer weniger Beitragszahlern finanziert werden müssen. Das gefährdet die Stabilität des Systems und belastet jüngere Generationen zunehmend.

Unsere Lösung: Eine direkte Kopplung an die Inflation würde genau hier ansetzen: Sie erhält die Kaufkraft der Rentner, verhindert aber gleichzeitig übermäßige Ausgabensteigerungen der Rentenversicherung. Laut Internationalem Währungsfonds könnten so Rentenkosten von etwa 1 % des BIP bzw. rund 45 Milliarden Euro jährlich eingespart werden. [https://www.imf.org/en/publications/cr/issues/2026/02/12/germany-2025-article-iv-consultation-press-release-staff-report-and-statement-by-the-573858]

„Eine an die Inflation gekoppelte Rente sichert Kaufkraft und macht das System dauerhaft finanzierbar.“ – Lydia Staltner

Jeder, der 40 Jahre Lebensleistung erbracht hat, soll im Alter mindestens 1.500 € netto erhalten. Die aktuellen durchschnittlichen Renten (Männer: Ø 1.405 € Bruttorente, Frauen: Ø 955 € Bruttorente im Jahr 2024) [https://jahresbericht.deutsche-rentenversicherung.de/artikel/in-zahlen-2024/ ] reichen für viele Menschen nicht aus. Selbst nach 45 Jahren Arbeitsleben liegen viele Renten unter dem Existenzniveau. Gleichzeitig werden zentrale gesellschaftliche Leistungen, wie Kindererziehung oder Pflege, im aktuellen System nur unzureichend berücksichtigt. Deshalb fordert Lichtblick Seniorenhilfe eine Mindestrente von 1.500 € netto pro Monat ein, die dauerhaft an die Inflation angepasst wird und Erwerbstätigkeit sowie Lebensleistung umfassender anerkennt als bisher.

Warum 40 Jahre?

40 Jahre bilden die Realität eines Großteils der Bevölkerung besser ab als die heute oft zugrunde gelegten 45 Jahre. Schon heute liegt die durchschnittliche Versicherungszeit eines Rentners bei nur etwa 39,4 Jahren. Viele Menschen erreichen keine 45 Jahre Erwerbstätigkeit – nicht, weil sie weniger leisten, sondern weil ihre Lebensrealität anders aussieht. [https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistiken-und-Berichte/statistikpublikationen/statistikband_rente.html?utm_source=chatgpt.com]

Gründe dafür sind:

•Ausbildungs- und Studienzeiten

•Kindererziehung

•Pflege von Angehörigen

•körperlich belastende Berufe, die nicht bis ins hohe Alter ausgeübt werden können

Gerade Menschen in Handwerks-, Pflege- oder Dienstleistungsberufen können häufig nicht für 45 Jahre durchgehend arbeiten.

Das Problem im heutigen System:

Diese Zeiten werden zwar im aktuellen System berücksichtigt, bilden die tatsächliche Lebensleistung jedoch nur unvollständig ab.

Beispiele:

•Kindererziehung wird unabhängig von der tatsächlichen Dauer der Betreuung derzeit auf maximal 3 Jahre angerechnet.

•Häusliche Pflege wird deutlich geringer bewertet als Erwerbsarbeit, obwohl der zeitliche Aufwand oft vergleichbar ist.

 

Wer gesellschaftlich notwendige Betreuungsarbeit leistet, wird im Rentensystem heute häufig schlechter gestellt.

 

Unsere Lösung: Die Mindestrente nach Lichtblick Seniorenhilfe e.V. setzt genau hier an und erkennt Lebensleistung nach tatsächlicher Leistung an.

 

Was zählt als Lebensleistung?

Voll berücksichtigt werden:

•sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

•Selbstständigkeit (mit Beitragszahlung)

•Arbeitslosengeld I

•Kindererziehung und Pflege

•Berufsausbildung und Studienzeiten

•sozialversicherungspflichtige Minijobs

Nicht berücksichtigt werden:

•Bürgergeld / Grundsicherung

•reine Transferleistungen ohne Beitragsbezug

•schulische Zeiten ohne Beiträge

Warum 1.500 €?

Die Armutsgefährdungsschwelle liegt aktuell bei 1.446 € netto. Die Mindestrente liegt bewusst darüber und schützt so zuverlässig vor Altersarmut. [ https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Lebensbedingungen-Armutsgefaehrdung/Tabellen/armutsschwelle-zvgl.html ]

Ergänzung: Wohngeld

Der Zugang zum Wohngeld bleibt erhalten – besonders in Städten mit hohen Mieten.

 

„Wer jahrzehntelang arbeitet oder Verantwortung übernimmt, soll im Alter sicher über der Armutsgrenze leben könn

Immer mehr Rentner müssen Einkommensteuer zahlen – selbst bei durchschnittlichen Renten. Der aktuelle Steuerfreibetrag liegt bei 1.029 € pro Monat und wird der Realität vieler Rentner nicht mehr gerecht. Rentner sollen künftig bis zu 2.000 € monatlich steuerfrei erhalten.- die Aktivrente bleibt unberührt.

Das Problem: Viele Rentner müssen heute einen Teil ihrer Rente wieder versteuern, obwohl sie bereits ihr ganzes Arbeitsleben lang Steuern gezahlt und in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Für Betroffene bedeutet das konkret, dass von der Rente nach allen Abzügen oft deutlich weniger übrig bleibt als erwartet. Steuern fallen genau dann an, wenn das Einkommen im Alter ohnehin begrenzt ist, und schmälern den finanziellen Spielraum zusätzlich, mit der Folge, dass weniger Geld für Miete, Lebensmittel oder unerwartete Ausgaben bleibt. Im Jahr 2025 zahlten bereits 6,7 Millionen Rentner Einkommensteuer. Durch Rentenerhöhungen kommen jedes Jahr zehntausende neue Steuerpflichtige hinzu. [https://www.ihre-vorsorge.de/altersvorsorge/nachrichten/fast-sieben-millionen-rentner-muessen-steuern-zahlen]

Beispiel: Ein Rentner erhält nach 45 Arbeitsjahren mit einem Jahresverdienst von 44.215€ brutto eine monatliche Bruttorente von 1679 €. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung bleiben 1.472 € netto. Davon sind aktuell nur 269 € steuerfrei, während 1203 € versteuert werden müssen. Das führt zu einer Steuerlast von rund 280 € im Jahr. Für viele Rentner sind 280 Euro im Jahr das Geld für einen ganzen Monat Lebensmittel.

Gleiche Arbeit muss gleich bezahlt werden – auch für eine faire Rente. Es braucht ein verbindliches Gesetz, das gleichen Lohn für gleiche Arbeit konsequent garantiert und durchsetzt.

Das Problem: Die Ungleichheit entsteht nicht erst im Rentensystem sie beginnt bereits im Arbeitsleben. Frauen verdienen selbst bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Arbeitszeit noch immer rund 6 % weniger als Männer. Diese Lohnlücke führt direkt zu geringeren Rentenbeiträgen und damit zu niedrigeren Renten im Alter. Frauen erhalten im Schnitt rund 150 € brutto bzw. 135 € netto weniger Rente pro Monat als Männer. [https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Verdienste-GenderPayGap/_inhalt.html?utm_source=chatgpt.com Stand 12.03.2026; Rentenanwartschaften:: https://statistik-rente.de/drv/extern/versicherte/rentenanwartschaften/documents/Rentenanwartschaften_Uebersicht.pdf?utm_source=chatgpt.com]  

Hintergrund: Der Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist seit 1957 im europäischen Recht verankert und wird auch durch Artikel 3 des Grundgesetzes garantiert. Dennoch ist er bis heute nicht vollständig umgesetzt. Mit der neuen EU-Entgelttransparenzrichtlinie besteht die klare Verpflichtung, bis zum 7. Juni 2026 ein wirksames nationales Gesetz vorzulegen. Ziel ist es, Lohnunterschiede sichtbar zu machen und zu reduzieren.

Diese Regelung greift jedoch zu kurz: Unternehmen müssen erst dann handeln, wenn ein unerklärter Lohnunterschied von mehr als 5 % festgestellt wird. Damit bleiben Unterschiede unterhalb dieser Schwelle weiterhin bestehen. [Art. 9 der Richtlinie (EU) 2023/970] Deutschland hat bislang nicht gehandelt – ein entsprechender Gesetzentwurf liegt weiterhin nicht vor. Es kann nicht länger hingenommen werden, dass ein seit Jahrzehnten geltender Gleichheitsgrundsatz nur unvollständig umgesetzt wird.

Wirkung:

•höhere Rentenansprüche für Frauen

•mehr Gerechtigkeit im Rentensystem

•langfristige Verringerung von Altersarmut bei Frauen Faire Löhne heute sind die Voraussetzung für faire Renten morgen.

Lichtblick fordert gleichen Lohn – nicht erst ab 5 %, sondern ab dem ersten Euro.“ – Lydia Staltner

„Wer jahrzehntelang arbeitet oder Verantwortung übernimmt, soll im Alter sicher über der Armutsgrenze leben können.“ – Lydia Staltner

Die Politik muss jetzt handeln

Die Ergebnisse der Studie senden ein klares Signal an Politik und Gesellschaft:
Die Menschen erwarten keine weiteren Beschwichtigungen, sondern konkrete Lösungen gegen Altersarmut.

  • Altersarmut betrifft längst nicht mehr nur Einzelfälle
  • Die Angst reicht tief in die Mittelschicht
  • Frauen sind besonders gefährdet
  • Viele Menschen verlieren das Vertrauen in ausreichende Absicherung

 

Altersarmut ist kein Schicksal, es ist politisch gemacht. Und was politisch gemacht ist, kann auch politisch beendet werden.