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Im Jahr 2036 wird jeder Fünfte von Altersarmut betroffen sein. Diese Zahl belegt eine Studie der Wirtschaftsforschungsinstitute DIW und ZEW
Wenn man an einem warmen Herbsttag noch einmal im Freien ein Stück Kuchen und eine gute Tasse Kaffee genießt, die wärmende Sonne im Gesicht spürt und die Seele baumeln lässt, durchflutet den Körper ein wohliges Gefühl der Sorglosigkeit. Die Gedanken gehen auf Reisen und manchmal ertappt man sich bei der Frage, ob es immer so bleiben mag. Wie wird es wohl im Alter sein? Werden die schönen Pläne, die man für die Zeit nach der Berufstätigkeit geschmiedet hat, denn aufgehen? Werden die Reserven reichen, wird die staatliche Rente den liebgewonnenen Lebensstandard tragen?

Vielen ist der wohlverdiente Ruhestand vergönnt … doch einer stetig wachsenden Anzahl von Senioren bleibt diese Unbeschwertheit verwehrt – sei es durch persönliche Schicksalsschläge, Krankheit, familiäre Umstände oder schlichtweg durch gesellschaftliche und soziale Veränderungen, auf die man kaum Einfluss nehmen kann.

Sieht man sich die nüchternen Zahlen an, so ist das Thema Altersarmut beileibe keine Randnotiz einer an und für sich reichen Gesellschaft – die Prognosen sind alles andere als beruhigend. Im vergangenen Jahr lebten weit über 500.000 Menschen in Deutschland von der Grundsicherung; für das Jahr 2036 prognostizieren die Wirtschaftsforschungsinstitute DIW und ZEW, dass sogar jeder fünfte Bundesbürger von Altersarmut betroffen sein wird. Dass Armut vor allen Dingen Senioren trifft, ist selbsterklärend – hat man in betagtem Alter doch nahezu keine Möglichkeit mehr, seine finanzielle Situation aus eigener Kraft zu verbessern.

Was ist eigentlich Grundsicherung?

Es hört sich recht logisch an: Wer nicht für sich selbst sorgen kann, für den springt die Solidargemeinschaft ein und sichert so die Grundbedürfnisse des täglichen Lebens. Doch genau hier klaffen bürokratische Berechnungen und Lebenswirklichkeiten oft weit auseinander. Die Grundsicherung steht bedürftigen Rentnern zu, das bedeutet, dass die Rente abzüglich der Warmmiete mindestens 424 Euro betragen muss. Liegt diese unter dem Betrag, wird auf 424 Euro vom Staat aufgestockt.

Von dieser überschaubaren Summe müssen schließlich alle Bereiche des täglichen Lebens – von Lebensmitteln über Bekleidung bis hin zu Haushaltsgeräten und Gesundheit – bestritten werden. Schon eine kaputte Waschmaschine kann also den Empfänger an eine schmerzhafte Grenze bringen. Auch die Mobilität ist mit 35,33 Euro knapp bemessen und würde in einer Großstadt noch nicht einmal für eine Monatskarte des öffentlichen Nahverkehrs ausreichen. Stets heißt es also, auf den Cent genau zu rechnen und zu hoffen, dass keine Unwägbarkeiten dazwischenkommen; die ständige Sorge, für das Nötigste nicht genug zu haben, sitzt dabei immer im Nacken.

Darüber hinaus gibt es aber auch zahlreiche Bedürfnisse, die sich nicht in Geld aufwiegen lassen: Wer gerundet über 4,85 Euro pro Tag für Lebensmittel verfügt, kann sich schlichtweg nicht mit anderen zu einem Kaffee verabreden und hier bereits zwei Drittel seines Budgets für einen Cappuccino verbrauchen. So zieht Armut in letzter Konsequenz einen Verlust an sozialen Kontakten, an Lebensfreude und seelischer Gesundheit nach sich – Faktoren, die in keinem Formular Platz finden …

Ein Thema für Generationen

Auch wenn der eigene Ruhestand noch in weiter Ferne schwebt, prägt Altersarmut doch das soziale Gefüge und beeinflusst damit das Lebensumfeld aller. Sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen ist also keine Frage der direkten Betroffenheit, sondern des eigenen Wohlgefühls. In welcher Gesellschaft möchten wir alle leben? Was empfinden wir, wenn Menschen, die so alt wie unsere eigenen Eltern oder Großeltern sind, nicht genug zum Leben haben? So wie sich auch betagte Menschen beispielsweise immer noch für den Umweltschutz einsetzen, der vorrangig der jüngeren Generation zugutekommen wird, so sollte es umgekehrt den heute noch Erwerbstätigen ein Anliegen sein, dass hierzulande ein sorgenfreies Leben im Alter möglich sein kann.

Ein ungeschriebener, gerechter Generationenvertrag, von dem alle profitieren: Die gesellschaftliche Anteilnahme aller schafft ein ausgewogenes soziales Gefüge, in dem wir uns wohlfühlen und das uns in die Zukunft trägt. Ein Baustein dieser so wichtigen Generationenbrücke ist die LichtBlick Seniorenhilfe.

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