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Ein Kommentar von Alex Rau

Alexandra Rau M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Forschungsprojekt „Prekärer Ruhestand“ an der LMU München. Dort promoviert sie zum Thema „Weibliche Altersarmut“. Ihre Interessensschwerpunkte sind Alter(n)sforschung, Geschlechterstudien sowie Soziale Ungleichheit.

Die Schere zwischen Arm und Reich wächst in unserer Gesellschaft. Insbesondere ältere Menschen sind von Armut betroffen, darunter vor allem Frauen. Laut Münchner Armutsbericht 2017 hat materielle Not negative Auswirkungen auf die soziale Teilhabe und letztlich auf einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Solidarität in unserer Gesellschaft steht damit auf dem Prüfstand.
Das war nicht immer so. Mit der großen Rentenreform 1957 wurde ein umfassendes Konzept der Alterssicherung umgesetzt. Zum ersten Mal in der Geschichte war damit der sogenannte Ruhestand als arbeitsfreie Lebensphase für eine breite Bevölkerung zur Alltagsrealität geworden. Durch das Prinzip des Umlageverfahrens wurde gesellschaftlicher Zusammenhalt institutionalisiert: die jeweils erwerbstätigen Generationen finanzieren die Renten der Ruheständler, mit dem Versprechen, dass sie im Alter ebenso gesichert sind.

Solidarität in der Krise
Diese organisierte Solidarität befindet sich momentan in der Krise. Mit Verweis auf den demographischen Wandel wurden die Rentenreformen der letzten 30 Jahre legitimiert und haben zu einer zunehmenden Privatisierung der Altersvorsorge geführt. Besonders betroffen sind die jetzigen Rentnerinnen und Rentner sowie die renten-nahen Jahrgänge, die schlichtweg keine Zeit mehr hatten, um privat vorzusorgen. Die aktuellen Statistiken des Münchner Armutsberichts 2017 sind Zeugnis für eine Aushöhlung organisierter Solidarität.
Die große Spendenbereitschaft und aktive Unterstützung hilfebedürftiger Personen von Vereinen und Stiftungen wie LichtBlick zeigen jedoch, dass ein gesellschaftlicher Zusammenhalt durchaus existiert. Langfristig betrachtet können diese den Sozialstaat aber nicht ersetzen. Ziel sollte es sein, gesellschaftliche Solidarität wieder stärker zu institutionalisieren, denn nur so kann soziale Gerechtigkeit flächendeckend realisiert werden.

Ein Keil zwischen den Generationen
Voraussetzung hierfür wäre ein generationenübergreifendes Vertrauen in ein gesellschaftliches Miteinander. Momentan wird durch die Instrumentalisierung des demographischen Wandels jedoch mehr ein Keil zwischen die Generationen getrieben. Laut der Gewerkschafterin Annelie Buntenbach verläuft die soziale Konflikt-linie aber nicht zwischen Jung und Alt sondern zwischen Arm und Reich! Um dieser zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft entgegenzusteuern, ist es umso wichtiger, dass sich alle Generationen miteinander für mehr Solidarität einsetzten und damit nicht zuletzt auch für ein gutes Leben im Alter – denn das betrifft uns alle früher oder später.

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