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Hinter jedem Verein stecken nicht nur viele zupackende Hände, sondern auch eine treibende Kraft: Wir sprachen mit der sympathischen Gründerin Lydia Staltner über Ihre Antriebsfeder, den Einsatz der Spenden und nicht zuletzt über ihre persönlichen Wünsche für LichtBlick …

Frau Staltner, es ist eigentlich ganz unglaublich, wie sich Ihr Verein in der doch kurzen Zeit entwickelt hat – Sie haben ja quasi bei null angefangen. Hätten Sie diesen großen Zuspruch zu Beginn erwartet?

Naja, es sind immerhin schon sechzehn Jahre. Aber es stimmt, zu diesem Zeitpunkt war Altersarmut natürlich gar kein Thema – da haben alle noch gesagt, so etwas gibt’s doch hierzulande gar nicht. Ich hätte also nicht erwartet, dass sich LichtBlick so positiv entwickeln kann, habe mir aber ehrlich gesagt auch gar keine Gedanken darüber gemacht. Wenn ein Mensch ein Ziel verfolgt, wenn er sich für irgendeine Sache einsetzen möchte, dann denkt er nicht viel nach. Dann ist er fokussiert – der Körper, der Geist und das Herz entscheidet sich für dieses Zutun. Ich wollte einfach niemanden mehr sehen, der im Sommer wie im Winter mit der gleichen Kleidung herumläuft.

War das auch der Anstoß zur Gründung?

Ich habe tatsächlich damals eine Frau gesehen, die das ganze Jahr hindurch den gleichen Mantel getragen hat. Und ich wollte einfach nicht mehr, dass es solche Menschen auf der Straße gibt. Mir wurde schlagartig klar, dass Altersarmut ein echtes Problem ist – wenn auch ein verstecktes.

Und wenn man das Problem einmal erkannt hat, sieht man es auch auf einmal an jeder Ecke?

Ab Vereinsgründung hatte ich eigentlich gar keine Zeit mehr, jemandem mit dem Problem draußen zu sehen. Nur noch diejenigen, die zu uns ins Ladenbüro gekommen sind, und da wurde ich ja dann direkt konfrontiert. Ich ging damals recht schnell an die Öffentlichkeit und ebenso schnell sind bedürftige Senioren über öffentliche Stellen – Sozialämter, Landratsämter et cetera – zu uns gekommen. Aber auch die verschämten Rentner kamen, die uns sagten: „Ich möchte eigentlich nirgendwo hingehen, aber ich bräuchte einfach dringend ein Paar Schuhe“.

Man kann kaum glauben, dass es tatsächlich an solch essentiellen Dingen mangelt …

Dazu kann ich Ihnen folgende Geschichte erzählen: Ganz am Anfang habe ich natürlich jedem von der Vereinsgründung erzählt, woraufhin mir ein Bekannter, ein Schuhfabrikant, Schuhe für die Bedürftigen anbot. Er schickte schließlich um die 300 Paar! Ich rief also Senioren an, von denen ich wusste, dass diese dringenden Bedarf haben, und tatsächlich waren alle ganz glücklich über dieses Angebot. Ich organisierte die Abholung, bereitete Stühle zur Anprobe vor und schließlich sagte mir am vereinbarten, sehr regnerischen Tag einer nach dem anderen ab! Da war ich natürlich ziemlich perplex und konnte das gar nicht einordnen. Als schließlich einen Tag später die besagten Rentner bei uns eintrafen, wurde mir der Grund schlagartig klar: Ihre Schuhe waren allesamt kaputt – sie konnten also nur bei schönem Wetter auf die Straße gehen … Das war auch so ein Zeichen dafür, dass ich mit dem Verein auf dem richtigen Weg war.

Inzwischen wird aber auch klar kommuniziert, dass Sachspenden keinen Sinn machen. LichtBlick sorgt für ganz gezielte Hilfe und kennt die Bedürfnisse genau. Was spricht noch gegen gut gemeinte Sachspenden?

Abgesehen davon, dass wir keine Lagerräume haben, geht es ja nicht nur um einen Pullover oder einen Fernseher, den man sich nicht leisten kann. Es geht um die Würde eines Senioren, der schließlich unser Land mit aufgebaut hat – er möchte nicht betteln und Almosen empfangen. Wir müssen darauf achten, dass wir jedem Menschen, der Hilfe braucht, mit Respekt begegnen. Es sind aber auch ganz pragmatische Gründe: Ein neuer Fernseher wird geliefert, installiert und der alte wird abgeholt – das ist schnelle und unbürokratische Hilfe. Bei einem gebrauchten Gerät weiß kein Mensch, ob das nicht in einem halben Jahr schon wieder kaputt ist, wer es aufstellt oder das alte entsorgt.

Sie haben viele große Unterstützer wie die Sparda Bank oder den Münchner Merkur. Wie groß ist aber der Anteil der Privatspender?

Wir haben sehr viele Privatspender. Und das fängt schon bei den Kleinen an, wenn beispielsweise ein Kindergartenkind 20 Cent vorbeibringt. Die Spanne der Spenden von 5 bis 2.000 Euro ist also ziemlich groß, aber – und das ist ein wichtiger Punkt – es kommt ja nicht allein auf die Summe an. Es ist einfach schön, dass Menschen die Augen vor Altersarmut nicht verschließen. Unsere großen Partner geben uns natürlich letztlich die Kraft und den Rückhalt, um Spender zu akquirieren und letztlich auch dafür, dankbar für jeden gespendeten Euro zu sein.

Mit einer Spende gibt man also mehr als nur Geld …

Ganz genau.

Sie möchten den Verein ebenfalls unterstützen? Hier können Sie sich über unser Patenschaftsspende oder unsere Sofortspenden informieren.
Transparenz ist an dieser Stelle natürlich auch ein Thema: Welche Kontrollmechanismen hinsichtlich der Spenden greifen bei LichtBlick?

Wir haben einen Steuerberater und unser Aufsichtsorgan ist wie bei allen Vereinen das Finanzamt. Zudem arbeiten wir auch noch mit einem Wirtschaftsprüfer zusammen, der alle geprüften Zahlen nochmals durchrechnet. Auf unserer Transparenzseite kann unser Geschäftsbericht übrigens von jedermann angeschaut werden.

Welche Rolle spielt hier der Beirat?

Er ist das überwachende Organ des Vorstandes – gemeinsam mit der jährlichen Mitgliederversammlung, bei der ebenfalls alle Zahlen ganz genau erläutert werden. Letztere entlastet auch den Vorstand nach dieser erneuten Prüfung.

Erstaunlich bei LichtBlick ist auch, dass der Verein mit so wenig Mitarbeitern auskommt Wie groß ist der Anteil der Verwaltungskosten?

Der liegt bei acht Prozent. Dazu kommen natürlich noch Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit und Gehälter. Wir haben ja inzwischen Projektausgaben von 3,1 Millionen Euro, die direkt an Bedürftige gehen, und sind zu Geschäftszeiten für Menschen da, die spontan vorbeikommen möchten. Dazu kommt der komplette Schriftverkehr sowie die Pflege der Datenbank – diese Dimension lässt sich nicht allein mit Ehrenamtlichen bewerkstelligen. Zu den Verwaltungskosten an sich zählen notwendige Ausgaben von der Briefmarke, übers Telefon bis hin zum Informationsflyer oder den Computern, um den Betrieb am Laufen zu halten. Vereine, die einen guten Job machen, kosten auch Geld – wichtig ist allerdings, dass sich diese Ausgaben im Rahmen halten und das Gesamtpaket klar, übersichtlich und transparent ist.

Festangestellte sind letztlich auch eine Frage der Verantwortung …

Natürlich. Wir arbeiten ja mit sensiblen Daten und bekommen von öffentlichen Stellen Unterlagen von Bedürftigen – die Vorgaben des strengen Datenschutzes sind natürlich auch von uns einzuhalten, das überwacht bei uns ein Datenschutzbeauftragter. Sie sehen: Es geht bei korrekter Arbeitsweise nicht ohne einen gewissen Verwaltungsaufwand.

Auch ohne Öffentlichkeitsarbeit wird es nicht gehen, oder?

Nein und natürlich kostet auch das Geld – man muss es aber in die Hand nehmen. Nicht nur, um Spender zu akquirieren, sondern auch, um Hilfsbedürftige auf uns aufmerksam zu machen. Wenn drei arme Menschen zu uns kommen, sind zwei davon sogenannte verschämte Arme. Also solche, die nicht zum Amt gehen und die uns nur aufgrund unserer Öffentlichkeitsarbeit gefunden haben.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft von LichtBlick?

Dass ich nie jemanden, der Hilfe sucht, ablehnen muss und ich weiterhin ein so tolles, positives, motiviertes Team um mich habe, das Freude an seiner Tätigkeit hat, obwohl es jeden Tag mit Menschen zu tun hat, die viel Leid und Traurigkeit mitbringen. Aber tief im Herzen wünsche ich mir eigentlich, dass wir irgendwann nicht mehr gebraucht werden …

Dieser Beitrag stammt aus unserem LichtBlick Magazin Ausgabe 2-2019. Sie möchten mehr erfahren? Hier geht es zu unseren Magazinen »

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