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Wenn das soziale Netz Risse bekommt: Einsamkeit und soziale Isolation sind zu einem gesellschaftlichen Problem aller Altersgruppen geworden.

In angenehmer Gesellschaft zu sein, ist ein angeborenes Bedürfnis. Familie, Freundschaften und soziale Kontakte tragen uns durchs Leben. Glück und Freude lassen sich, sobald man dies teilt, noch mehr genießen. Gleiches gilt auch für Sorgen und Nöte, die, zumindest gefühlt, nur noch halb so schwer wiegen, sobald man darüber spricht und Impulse, Rat und Unterstüt zung von außen bekommt. Das „Ich-Gefühl“, das man in Gesellschaft verspürt, ist ein anderes, als allein hinter verschlossenen Türen – man genießt die Zugehörigkeit undspiegelt sich in der Sympathie, Zuneigung und der Akzeptanz seines sozialen Umfelds. Nicht selten ist die Größe des Bekanntenkreises, die Anzahl der Freunde und ein eng gefüllter privater Terminkalender ein Gradmesser für Anerkennung, Beliebtheit und gesellschaftliche Relevanz.

Doch die Vereinsamung in Deutschland nimmt seit einigen Jahren kontinuierlich zu. Das Gefühl, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zu sein, zieht sich durch alle Altersgruppen.

Bereits bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren fühlen sich 27,6 Prozent „manchmal“ oder „selten“ einsam. 4,2 Prozent dieser Altersgruppe gaben sogar an, sich „immer“ oder „oft“ einsam zu fühlen, diese Ergebnisse lieferte die Langzeitstudie KiGGS (*).

(*) KiGGS ist eine Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland.

Die sogenannte Einsamkeitsquote der 45- bis 84-jährigen Deutschen stieg laut Bundesregierung in sechs Jahren um 15 Prozent an, die soziale Vereinsamung ist längst zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Jede Altersdekade birgt die Gefahr, dass sich Menschen einsam fühlen und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erheblich nachlässt. Das kann auf beruflich oder privat bedingte Standortwechsel, Trennungen oder das Zerbrechen von Ehe und Familie zurückzuführen sein. Im weiteren Lebensverlauf verlassen womöglich die Kinder das Elternhaus und manche Paare können die fehlende zwischenmenschliche Nähe nicht mehr kompensieren.

Auch Menschen, die sich in zu viel Arbeit stürzen („Workaholics“) oder sich dauerhaftem Stress und Überlastung aussetzen, laufen Gefahr, sich zu sehr zurückzuziehen und dadurch zu vereinsamen. Im Alter ist es womöglich der Verlust des Partners und enger Angehöriger, von Freunden oder sogar der Kinder, die viel zu früh aus dem Leben gerissen werden. Zudem zwingen körperliche Gebrechen und Erkrankungen, die zu einer eingeschränkten Mobilität führen, die Betroffenen, den Aktivitätsradius einzuschränken, sich dadurch auszugrenzen und sozial zu isolieren.

Kommen hierzu auch noch finanzielle Nöte, bleiben den Bedürftigen viele Möglichkeiten des gesellschaftlichen Lebens und damit auch die verbundenen wertvollen Sozialkontakte verwehrt. Aus Scham vor der Würdelosigkeit hüllen viele den Mantel des Schweigens über ihr Schicksal. Die Tasse Kaffee und das Stück Erdbeerkuchen, das man sich von den wenigen Euros, die im Monat bleiben, nicht leisten kann. Die Busfahrt ins Grüne mit den Kegelfreunden von früher wird zu einem Ding der (finanziellen) Unmöglichkeit.

Man wird, bedingt durch die Ausreden, weshalb man an Treffen und Unternehmungen nicht mehr teilnimmt, in den Augen der anderen „sonderlich“. Nicht selten führt dies dazu, überhaupt nicht mehr einbezogen zu werden – das Telefon steht immer häufiger still, der Fernseher wird zum einzigen Fenster nach außen. Nur noch das TV oder das Radio bringen das gesprochene Wort in die eigenen vier Wände. Das Fehlen der zwischenmenschlichen Nähe versucht manch Betroffener mit dem Schwelgen in Erinnerungen zu kompensieren, doch das lindert den Schmerz der Einsamkeit nicht, sondern verstärkt oft das Gefühl des Alleinseins noch drastischer. Ohne Hilfe von außen finden nur wenige aus dieser Einsamkeitsfalle heraus.

Ein Teufelskreis, der sich selten stoppen lässt und zudem auch noch psychisch und physisch krank macht. Denn soziale Isolation beeinflusst das Auftreten und den Verlauf chronischer Krankheiten nachweislich ungünstig: Einsame Menschen sind weniger stressresistent, der Körper schüttet daher mehr Cortisol aus. Das Stresshormon verursacht Schlafstörungen und verantwortet einen dauerhaften Anstieg des Blutdrucks sowie des Blutzuckers. Die Folge ist ein nachweislich höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken und Herz-Kreislauf- erkrankungen zu erleiden, die bis zum Schlaganfall oder Herzinfarkt führen können.

Wie LichtBlick versucht, diesem ernsthaften Problem für Körper und Psyche ein klein wenig entgegenzuwirken, und einsame Senioren aus der Isolation und Einsamkeit holt, erfahren Sie in unseren Lebensgeschichten.

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