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Ein Kommentar von Patricia Schmidt-Fischbach

Rosemarie K., 75, braucht ein Sauerstoffgerät, das sie immer mit sich herumschleppen muss.

Großbritannien widmet der Einsamkeit ein Ministerium. Die deutsche Politik hat nachgezogen.

Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU–Bundestagsfraktion, skizziert die Pläne: „Ich will nicht eine staatliche Leistung schaff en, die dann abzurufen ist. Wir wollen einfach Menschen, die ungewollt einsam sind, wieder in die Gesellschaft, in die Gemeinschaft integrieren. Wir wollen Angebote machen. Dazu muss man die vorhandenen Strukturen bündeln und konzeptionell zusammenführen. Ziel muss es sein, Menschen zu motivieren, Teilhabe zu entwickeln. Dann können wir als Staat Angebote machen, die dann natürlich auch bezahlt werden müssen.“

Allein mir fehlt der Glaube. Jahrelang haben Bund und Kommunen Grundstücke in den Innenstädten verhökert, anstatt auf eine sozial förderliche Bebauung zu dringen.

Begegnungsstätten wurden eingespart. Bahn und Verkehrsverbünde dünnten den Nahverkehr auf dem Land aus. Es wurden Einkaufszentren gefördert, weil Gewerbesteuer lockte, nun sind Dörfer verödet. Die Arbeitsmarktpolitik verlangt vom Arbeitnehmer, der Arbeit hinterher zu ziehen − ohne Rücksicht auf Familie, Freunde, Eltern. Frauen sollen erwerbstätig werden und sich parallel um Kinder und alte Eltern kümmern.

Es sind diese Strukturen, die Einsamkeit produzieren. Es hat sich in allen Lebensbereichen ein Renditedenken ausgebreitet, das Menschen überfordert. Genauso wie das Ich–muss–das–allein–schaff en–Denken.

Ja, wir brauchen angesichts einer rapide alternden Gesellschaft kostenlose Mobilitäts–Angebote für Bedürftige auf dem Land. Wir brauchen im ganzen Land Sozialarbeit, die alleinlebende Senioren aufsucht. Wir brauchen mehr Mehr–Generationenhäuser und betreute Alters–WGs. Chronisch einsame Menschen benötigen schneller professionelle Hilfe.

Aber das reicht nicht. Der Staat sind wir alle. Wünscht sich nicht jeder von uns eigentlich mehr Zusammenhalt, Mitgefühl und Solidarität? Indem wir selbst tun und vorleben, was wir ‚eigentlich‘ wollen, können wir eine Welle machen, eine Welle der Menschlichkeit und Anteilnahme. Dann bleibt auch niemand allein zurück.

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