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Foto: © shutterstock

Gesunde Ernährung ist für ältere Menschen ein Muss. Eigentlich. Doch wenn das Geld fehlt, wird es für Betroffene nahezu unmöglich, an hochwertige Nah- rungsmittel zu kommen. Und obendrein wissen die meisten nicht mal, was ihr Körper wirklich braucht. Deshalb hat der Verein LichtBlick Seniorenhilfe jüngst ein ganz besonderes Projekt aus dem Boden gestampft: die etwas andere Lebensmittelkiste – die Rentner in Not mit Vitaminen und viel Lebensfreude versorgt.

Wer gesund essen will, der muss seine Mahlzeiten auch ganz konkret planen, raten Experten.

Bodenständig kochen, das kann Siegrid P. richtig gut. „Das habe ich natürlich von meiner Mama und meiner Oma gelernt“, erzählt die 82-Jährige resolut. Also kommen bei ihr Sauerkraut, Rotkohl, dicke Bohnen, Eintopf, Kartoffelpüree oder Pfannengemüse auf den Tisch. „Ich bin ein Allesesser“, sagt sie und schmunzelt. Gekocht wird freilich jeden Tag frisch. Schon nach dem Frühstück fängt Siegrid P. aus dem Kreis Münster an, ihre Mahlzeiten zu planen: Was will ich heute essen, überlegt sie sich; was morgen, was übermorgen? Denn Planung ist wichtig.

Zum Einkaufen in die nächstgrößere Stadt muss sie mit dem Bus fahren, das ist mühselig, also fährt sie nur zweimal die Woche – dort kauft sie dann die wichtigs- ten Vorräte, frisches Brot und gutes Fleisch. Kleinig- keiten und frisches Gemüse bekommt sie immerhin in einem kleinen Laden im Ort; frische Eier gibt es beim Bauern ums Eck. Siegrid P. hat kein Laster, das könnte sie sich finanziell auch gar nicht leisten. Aber sie gönnt sich eben etwas: nämlich richtig gutes Essen, sagt sie. Und das dank der Unterstützung durch den Verein LichtBlick Seniorenhilfe. „Speck und Zwiebeln anbra- ten, in gutem Rapsöl, dazu Kartoffelstampf – das ist so unheimlich lecker“, schwärmt die 82-Jährige.

Siegrid P. bezeichnet sich als „Allesesser“ und kocht jeden Tag frisch.

Foto: LichtBlick Seniorenhilfe e. V.

Damit erfüllt Siegrid P. schon mal die wichtigste Regel für eine gesunde Ernährung. Denn „die Ernährung, die einem guttut, ist immer die beste“, erklärt Monika Bischoff. Die Diplom-Ökotrophologin ist Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin und Prävention am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München. Sie kennt sich als Ernährungsberaterin nicht nur mit der richtigen Ernährung im Allgemeinen, sondern auch mit der richtigen Ernährung für Senioren im Besonderen aus (siehe Kasten). Siegrid P. macht demzufolge schon einiges richtig: Erstens sucht sie sich Essen aus, das ihr guttut. Zweitens isst sie sehr abwechslungsreich. „Man sollte immer ,bunt‘ essen, erklärt Ernährungsberaterin Bischoff, „also abwechselnd – egal, ob beim Gemüse, beim Brot oder bei Nudeln. Das erhöht die Diversität.“ Und drittens plant sie vorher, was sie essen will. „Um sich gesund ernähren zu können, gehört eine Planung dazu“, sagt auch die Expertin. Und zwar eine frühe Planung, schon vor dem Einkauf: „Denn wenn man kein Gemüse zu Hause hat, wird man auch nichts damit kochen.“ Doch genau beim Thema Einkaufen haben die meisten Senioren große Probleme, erzählt Andrea Moraldo vom Verein LichtBlick Seniorenhilfe in Münster – besonders, wenn sie wenig Geld zur Verfügung haben. Nicht nur, dass die Einkaufsmöglichkeiten oft schwer zu erreichen sind. Auch hochwertige Lebensmittel sind meist schlichtweg zu teuer. „Unsere Senioren versu-chen, möglichst preisgünstig möglichst viel zu kriegen“, erzählt Moraldo. Die meisten, die LichtBlick unterstützt, bekommen nur die sogenannte Grundsicherung im Alter; nach Abzug aller wichtigen monatlichen Zahlungen wie Strom, Telefon und kostenpflichtigen Medika-menten, bleiben ihnen etwa 120 bis 150 Euro für Lebensmittel übrig. Davon vernünftig einzukaufen, das ist eine echte Aufgabe.

„Die Ernährung, die einem guttut, ist immer die beste.“
Monika Bischoff Diplom-Ökotrophologin

Foto: ©Barmherzige Brüder

Erschwerend kommt hinzu, dass die Senioren oft gar nicht gelernt haben,  was eine „gute“ Ernährung ist. „Ich kenne eine 93-Jährige, die sagt immer: ,Hungern musste ich schon immer.  Nur frieren möchte ich nicht mehr‘“, erzählt Moraldo und seufzt. „Ältere Menschen müssten sich gut ernähren – aber sie können es gar nicht. Das ist wirklich super schade.“

Der Verein LichtBlick Seniorenhilfe in Münster hat deshalb ein völlig neues Projekt gestartet: Lebensmittel-kisten, die nicht nur ausgestattet sind mit Dingen, die die Vorratskammern der bedürftigen Rentner aufsto-cken, sondern vor allem auch mit Lebensmitteln, die einfach besonders gut sind – und die sich die Senioren selbst niemals kaufen würden. Gutes Gemüse zum Beispiel. Im Frühling bekamen die Senioren etwa ein paar Stangen Spargel. „Wahnsinn“, sagte eine ältere Dame dazu. Moraldo erklärt: „Den können sie sich selber natürlich nicht leisten.“

Oft gibt es gutes Obst. „Eine Dame hat mir erklärt, dass sie wirklich alles probiert; auch das ,wirklich exotische‘ Obst“, erzählt Moraldo weiter. „Ich habe nachgefragt, was sie damit meint:  Es war eine Kiwi.“ Ein anderes Mal  sind es Hähnchenschenkel vom Bio-Metzger, mal ein gutes Marken-Öl, oder auch Bio-Milch. „Eine Rentnerin hat mir ganz erstaunt gesagt: Die schmeckt ja viel besser als H-Milch“, erinnert sich Moraldo. Ganz wichtig ist der LichtBlick-Mitarbeiterin: Jedes Mal müsse „etwas für die Seele“ dabei sein. Etwa hochwertige Schokolade, feine Kekse; für die Herren mal eine gute Flasche Bier, für die Damen ein Piccolo. Denn die LichtBlick-Damen wollen ihre Senioren mit diesem Pro-jekt auch dazu ermuntern, sich selbst mal etwas Gutes zu tun. Moraldo weiß: „Und das ist schon so eine Aufgabe.“

Siegrid P., immerhin, tut sich gern etwas Gutes: jeden Tag, mit ihrer Hausmannskost. Dazu deckt sie den Tisch und richtet sich das Essen hübsch an. „Dafür nehme ich mir die Zeit“, sagt die 82-Jährige überzeugt.

„Denn es macht einfach Spaß, mit Appetit an den Tisch zu gehen.“ Dann verspeist sie das Essen langsam, mit Genuss. Und am Schluss schickt sie noch ein stilles Danke gen Himmel. Und weiß dann: „Jetzt bin ich zufrieden.“

Autorin: Nina Praun – Quelle: LichtBlick-Magazin 2/20

„Unsere Senioren versuchen, möglichst preisgünstig möglichst viel zu kriegen.“
Andrea Moraldo, LichtBlick-Mitarbeiterin

Foto: ©LichtBlick Seniorenhilfe e. V./Tatjana Jentsch

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