Nach zwei Schlaganfällen ist Erika S. (72) auf Hilfe angewiesen. Gegen die Einsamkeit hilft ihr eine junge Ehrenamtliche von Lichtblick.

Den ersten Schlaganfall überstand Erika S. noch ohne Folgen. Doch im November 2024 riss ein zweiter ihr Leben aus den gewohnten Bahnen. Seitdem sitzt die 72-Jährige im Rollstuhl. Sie musste wiederholt operiert werden, ihr rechtes Bein konnten Ärzte gerade noch retten. Sie spricht sehr leise und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Dabei hatte sie an dem Tag noch Glück im Unglück: Ihre beste Freundin sah die hilflose Rentnerin durch die Terrassentür auf dem Boden liegen und alarmierte den Notarzt. Die Freundin besucht Erika S. noch heute, so wie damals, regelmäßig an den Wochenenden.
Emma ist mein großes Glück.
Erika S.
Emma ist mein großes Glück.
Die Jalousien ihres Appartements in einer Wohnanlage sind heruntergelassen, weil Erika S. es nicht mag, wenn man sie von draußen hier sitzen sehen kann. Auf ihrem Wohnzimmertisch stehen Blumen, daneben liegt das Lichtblick-Programm. Es wäre mucksmäuschenstill, wenn der Fernseher nicht laufen würde. „Damit ich mal eine Stimme höre“, erzählt Erika S., die ihr Leben lang gearbeitet hat: in Münster aufgewachsen, Ausbildung zur Hotelfachfrau, Umzug in den hohen Norden, schwierige Scheidung einer Ehe ohne Kinder, Rückkehr nach Münster, kleine Rente. Sie machte die Zimmer in Hotels, betreute das Frühstücksbuffet und versorgte bis 2024 das Deutsch-Niederländische Korps in Münster mit Mittagessen. Erika S. war für andere da. „Ich war immer gern unter Menschen“, erzählt sie.
Heute kommt zweimal täglich ein Pflegedienst, hilft ihr morgens aus dem Bett und abends wieder rein. Dazwischen ist sie meistens allein. Die Einsamkeit macht ihr zu schaffen, sie denkt sehr viel darüber nach, was das bedeutet. Einmal kam der Pflegedienst morgens nicht und sie hatte ihr Handy nicht am Bett. „Ich lag dort hilflos bis zum Abend“, schildert Erika S. „Ich möchte gern wieder aktiver werden, aber das ist nicht so leicht.“ Gern würde sie auch wieder an den Lichtblick-Ausflügen teilnehmen, so wie sie es vor ihrem schweren Schlaganfall gern getan hatte. Vor sieben Jahren hatte sie beim Amt von Lichtblick erfahren. „Ein toller Verein“, sagt Erika S. Sie bekommt unter anderem regelmäßig die Obst- und Gemüsetüte, die Mitarbeiterinnen rufen sie an und schreiben ihr Briefe.
Ihr größter Lichtblick aber ist Emma. Seit eineinhalb Jahren engagiert sich die 23-jährige Studentin ehrenamtlich bei Lichtblick Seniorenhilfe und besucht die Rentnerin regelmäßig. „Emma ist mein großes Glück“, sagt Erika S. Die beiden gehen Eis essen, besuchen Ausstellungen und machen wichtige Behördengänge zusammen. Aktuell bemühen sie sich um einen Rollstuhl mit Elektroantrieb für die 72-Jährige, damit sie wieder etwas selbstständiger vor die Tür kann. Emma G. sagt: „Auch mir gibt die gemeinsame Zeit sehr viel. Daraus ist eine richtige Freundschaft gewachsen, oder Erika?“ Die Seniorin strahlt und nickt.